Warum verstehen manche Makler es einfach nicht und schaden der ganzen Branche?

Ich kann es einfach nicht glauben und es macht mich auch wütend, was mir gerade passiert ist. Meine Frau Maren recherchiert gerade den Mietmarkt in Bonn und Umgebung für unsere Eltern. Mal abgesehen davon, dass 80% der Angebote übel präsentiert werden, was nicht wirklich neu ist, ist da doch ein interessantes Objekt im Angebot was passen könnte.

Die Immobilie wurde auf Immowelt angeboten und meine Frau stellt eine Anfrage an den Immobilienmakler, der auch prompt antwortet. Daraufhin findet auch ein Telefonat statt, wo der Sachverhalt kurz erläutert wird.

Nach dem Telefonat kommt dann der Hammer:

Zunächst wird eine Widerrufsbelehrung per E-Mail gesendet, was schon ein absoluter Schwachsinn ist, wenn man eine provisionsfreie Immobilie anbietet. Es kommt noch besser, denn in der gleichen E-Mail wird dann eine Provisionsvereinbarung geschickt, die bitte ausgefüllt und zurück gesendet werden soll.

Darauf schickt meine Frau eine E-Mail, hier noch nicht als Maklerin geoutet, dass doch seit dem 01.06.2015 Wohnimmobilien provisionsfrei vermietet werden müssten?! Fragend und abwartend amüsieren wir uns, wie es weitergeht und schauen uns noch einmal die Provisionsvereinbarung genau an und stellen fest, dass dieser Amateurmakler doch tatsächlich auch noch die Adresse des Vermieters reingeschrieben haben.

Jetzt sehen wir die Sache sportlich und telefonieren nochmal mit dem Makler und die Erklärung ist wirklich sehr cool: “Liebe Frau Bosbach, ich habe ja keinen Auftrag vom Eigentümer und deshalb müssen Sie eine Provision zahlen.” Der beste Satz kommt jetzt! “Sie unterschreiben mir am besten die Vereinbarung und ich werde dann mit dem Eigentümer sprechen und schauen, dass ich wenn eine Anmietung zustande kommt, dies in ihrem Sinne kläre.” Das ist doch ein Wort!

Man ist das ein Vollidiot und sowas hat einen §34c bekommen und verschickt diese Mails bzw. die Widerrufsbelehrung auch noch Namen eines, wenn nicht dem größten CRM Anbieter für Immobilienmakler.

Wir nähern uns dem Höhepunkt. Da meine Frau ja glücklicherweise die Daten des Vermieters hat, recherchiert sie kurzerhand über Google die Telefonnummer und ruft ihn an.

Meine Frau schildert den Sachverhalt, dass Interesse an der Immobilie besteht, aber da dieser komische Makler rumwerkelt und da sagt doch der Vermieter tatsächlich, dass er das dem Makler überhaupt nicht erlaubt hat und dieser auch die Bilder nicht veröffentlichen dürfe.

Interessant ist auch, dass der Vermieter eingesteht sich noch nicht wirklich professionell mit der Vermietung auseinander gesetzt hat. Gedankensatz: Der Makler wäre also, wenn er vernünftig mit dem Vermieter gesprochen hätte, durchaus in der Lage gewesen einen Alleinauftrag zu erhalten. Der Vermieter ist vielbeschäftigt und pendelt zwischen Bonn und Berlin.

Am Ende hat ein sehr nettes Gespräch mit dem Vermieter stattgefunden, aber dieser ist jetzt ziemlich verunsichert und seine Einstellung zu Immobilienmaklern hat sich mit Sicherheit nicht verbessert, sondern im Gegenteil mal wieder verschlechtert.

Gehen wir mal davon aus, dass dieser “Spackomakler” tatsächlich so 15-20 Anfragen erhalten hat, was bei einer Immobilie in guter Bonner Lage wohl kein Problem sein dürfte, ist das ein wirkliches Problem.

Bei 15 schlechten Anfragen und diese Menschen haben ähnliche  Gespräche geführt, wovon auszugehen ist, dann potenziert sich die negative Masse um 11, (ein schlechter Interessent/ Kunde erzählt 11 anderen weiter) das wären dann 165 Personen.

Kein Wunder, dass da draußen so viele Menschen schlecht über Makler denken und auch die guten Erfahrungen nicht ausreichen, um dies zu verändern.

Meine Aufforderung an Euch alle: Jeder von Euch hat ein  Mitverantwortung, dass solche Wahnsinnigen unseren Berufsstand schädigen und muss beim Namen genannt werden bzw. zur Anzeige gebracht werden. Wenn schon der Sachkundenachweis nicht da ist und die Zulassungsvoraussetzungen derart einfach zu erfüllen sind, ist das der einzige Weg. Jeder bekommt täglich solche und andere Sachen mit, die einfach über die Grenzen gehen und nichts mehr mit Ethik und Moral zu tun haben. Wir haben nunmal ein neues Gesetz und daran haben wir uns zu halten, egal ob man es gut findet oder nicht. All die schönen Konzepte und Ideen werden in den Dreck gezogen.

In diesem Sinne, wünsche ich Euch allen eine gute Zeit.

Euer

Heinz Bosbach

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5 Comments

  • Hans Eisenach

    Reply Reply 9. Juli 2015

    Hallo Herr Bosbach,
    mieten sie die Immobilie für die Eltern an, machen sie erstmal was der Makler will, lassen sie sich eine Rechnung schicken und dann verklagen!! Das kostet den Herrn dann bis zu 25.000,- Euro Bußgeld, wenn ich mich nicht irre, plus Gerichtskosten. Das macht DER dann nicht mehr so schnell, oder !??
    LG Hans Eisenach

    • bosbach

      Reply Reply 9. Juli 2015

      guter Tipp, aber ich werde das beim zuständigen Gewerbeamt offiziell zur Anzeige bringen. So einen Aufwand tue ich mir nicht mehr an, dafür bin ich zu entspannt, als das ich mich mit so einem Zeug rumschlage. Ich habe durch Maklererfolg genug Möglichkeiten meinen Teil dazu beizutragen.

  • Jörg Schulze

    Reply Reply 9. Juli 2015

    Der Sachkundenachweis für alle Makler ist überfällig! Bis dahin wird alles so bleiben wie es ist. Leider.

  • Andreas Schneider

    Reply Reply 10. Juli 2015

    Ach je, das kommt mir sooo bekannt vor!

    Ich möchte allerdings auch einen anderen Aspekt anführen. Ich bin Quereinsteiger in der Branche; meine “Ausbildung” bei einem Franchisegeber bestand seinerzeit aus einem 2-Tages-Seminar, aus dem ich nicht viel mehr habe mitnehmen können, als dass wir die Immobilienanzeigen durchkämmen und den Privatinserenten eine Unmenge an Mietgesuchen vorgaukeln sollten; zudem bedeute es ja für den Vermieter kein finanzielles Risiko, da ja der Mieter die Courtage zu entrichten habe. Und – das war der zweite wesentliche Punkt der “Ausbildung” – wir sollten keinem Interessenten Zugang zum Objekt gewähren, wenn er denn nicht zuvor die Nachweisbestätigung unterzeichnet hätte.

    Aus diesem alten Netzwerk habe ich mich frühzeitig abgesetzt, mit einigen alten Mitstreitern habe ich mich zusammen getan, der überwiegende Teil der anderen mir noch bekannten Franchisenehmer ist aus der Branche. Einige (die damals schon erfolgreicheren Kollegen) arbeiten netzwerkunabhängig selbständig weiter.

    Sachkundeprüfung hin oder her: SOLCHE Unternehmen, die letztlich nicht mehr zu bieten haben (hatten) als das Abschöpfen der generierten Umsätze der Fanchisenehmer, haben ihr ungutes Teil zu den Missständen beigetragen. Lese ich den Beitrag durch, so kann ich mich des Endrucks nicht erwehren, dass dieser “Makler” auch unter einer Art von Milieuschädigung leidet. Wer weiß, welche “Ausbildung” er genossen haben mag…

    • bosbach

      Reply Reply 10. Juli 2015

      Danke für den Ihren Beitrag. tatsächlich ist dieser Makler kein Franchise Mitarbeiter, wobei ich nicht ausschließen kann, dass er dort gearbeitet. Ich tue mich schwer damit, alle unter einen Hut zu packen, denn ich kenne sehr gute Franchiseausbildungen. Leider passiert das, was Sie schreiben zu oft und das zieht immer wieder schlechte PR für die Branche nach sich.

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